Kirchengeschichte

Ein kurzer Blick in die Geschichte

Die ersten Anstösse zur Reformation im Prättigau gaben der aus dem Montafon stammende St. Antönier Priester Jakob Spreiter (1523/24) und das Prämonstratenserkloster St. Jakob hinten im Tal, das sich selbst aufhob (Ende 1525). Der erste in Jenaz nachweisbare reformatorische «Prädikant» (= Prediger) war Melchior Tillmann, ein aus Luzern stammender und wegen seiner reformatorischen Umtriebe auf Initiative des Basler Bischofs inhaftierter und schliesslich vertriebener Priester. Offenbar gelangte er 1527 nach Jenaz, wo der rechtmässige Priester abgesetzt worden war. 1528 nahm Tillmann als einziger Bündner Delegierter an der grossen Disputation im Berner Münster teil. Trotz Protest der Gemeinde wurde Ende 1530 auf Geheiss der österreichischen Landesherrschaft der gewesene Priester wieder in seine Rechte eingesetzt und Tillmann vertrieben. Die Gemeinde erklärte dann aber, man wolle keinen Geistlichen mehr annehmen, der die Messe halte, weil «sy die mess nit fur gutt achtend». In dieser Sache galten die Jenazer als «ettwas trutzenlich». Sie wollten ab jetzt auch selbst bestimmen und wählen, wer das geistliche Amt bei ihnen ausübe. Seitdem gibt es hier eine evangelisch-reformierte Kirchgemeinde. Sie verstand sich – wie alle, in denen die Reformation Fuss fasste – als Rechtsnachfolgerin der vorher römisch-katholisch orientierten Gemeinde. Man wollte und konnte also keine neue Kirche und Gemeinde gründen, sondern die bestehende neu ordnen auf der Grundlage des in der heiligen Schrift bezeugten Wortes Gottes. Auf dem damals eingeschlagenen Weg versucht unsere Gemeinde in einem gewandelten und sich ständig wieder wandelnden gesellschaftlichen Umfeld bis heute zu gehen. Sie kann dies nur gemeinschaftlich tun.

Die Kirche

Die Jenazer Kirche steht am östlichen Rand des Dorfes. Sie wird als Petrus-Kirche erstmals um 1150 erwähnt, ist jedoch vermutlich wesentlich älter. Mit Schiers und Saas gehörte sie zu den drei Prättigauer Hauptkirchen im Spätmittelalter, von denen jeweils etliche Filialen abhängig waren. Die ursprünglich romanische Kirche wurde 1483 (Chor) und 1485 (Schiff) im Stil der Spätgotik zur heutigen Grösse wesentlich erweitert. Bei der ersten Renovation seit dieser Zeit (1837) gingen leider wesentliche Elemente der alten Raumgestaltung verloren, vollends dann bei der erneuten Renovation 120 Jahre später (1956/57). 2013 erfolgte eine behutsame Restauration insbesondere im grossen Chorraum, der von Bänken befreit wurde und nun mit seiner linienbetonenden Schlichtheit den Blick ins Weite und Helle öffnet. An der Südwand wurde der Vers aus Psalm 36,10 aufgemalt: «Bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Licht schauen wir das Licht.»


20 Pfarrer und eine Pfarrerin

Jenaz/Buchen hat die kürzeste Pfarrerliste seit der Reformation im Tal und wird wohl in Graubünden nur von wenigen Kirchgemeinden «unterboten». Seit der Reformation, also in knapp 500 Jahren, amtierten hier nämlich nur 21 Pfarrpersonen. Das gegenwärtig im Pfarramt tätige Ehepaar (das erste dieser Art in der Gemeinde und gleichzeitig die erste Frau) stellt auf dieser Liste die Nummer 20 und 21 dar.


Die Kirchenregion Prättigau

Das Kolloquium (neu: die Kirchenregion) Prättigau wird aus 13 Kirchgemeinden gebildet, von denen Schuders die kleinste und Klosters die grösste ist. Insgesamt leben knapp 10’000 Reformierte im Tal. Die Kirchgemeinden im Mittelprättigau (Furna bis Saas) arbeiten bereits seit etlichen Jahren näher zusammen (Regionalgottesdienste, regionale Altersnachmittage, gemeinsamer Predigtplan). Auf der weiteren Ebene der Kirchenregion wird angestrebt, die Zusammenarbeit in verschiedener Hinsicht zu verstärken, schwerpunktmässig in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, aber auch auf anderen Feldern der gemeindlichen Tätigkeiten.